Ferrari 488 GTB | Mit Biturbo-V8 in 7:22 Min. über die Nordschleife

Mit Rundenzeiten von 7.22 Minuten auf der Nordschleife sowie 1.07,0 Minuten auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim spielt der Ferrari 488 GTB in der Königsklasse.

Die rennwagenähnliche Schaltanzeige im oberen Lenkradkranz mit den roten LED-Blitzen ist mehr als ein verspieltes Detail für große Jungs. In Zeiten von immer perfekteren, immer einfacher beherrschbareren, immer kompromissbereiteren, aber durch diesen Perfektionismus oft auch charakterloseren Sportwagen wird es in Zukunft noch mehr auf diese kleinen, aber feinen Details ankommen. Von diesen charakterbildenden Details hat der Ferrari 488 GTB zahlreiche, die das Sportfahrerherz höher schlagen lassen.
Ferrari 488 GTB ein herrlicher Männerspielplatz

Bleiben wir zunächst beim Lenkrad: Nicht nur die bereits erwähnte Schaltanzeige, sondern auch das von anderen Herstellern mittlerweile oft kopierte Manettino macht dieses Carbonlenkrad zum emotionalsten auf dem ganzen Sportwagensektor. Kein billig anmutendes Kunststoffrädchen, sondern ein erhabener Drehschalter macht mit klackenden Geräuschen die Wahl zwischen den Fahrprogrammen „Wet“, „Sport“, „Race“, „CT off“ und „ESC off“ zum Erlebnis.

Doch mit dem Manettino ist das Erlebnis „Lenkrad“ im Ferrari 488 GTB noch längst nicht zu Ende. Neben Knöpfen für die Scheibenwischer, die Blinker sowie die Justierung der Adaptivdämpfer liegt links auf dem Lenkrad auch noch die Fernlichttaste. Wie gemacht für Clubsportrennen und deutsche Autobahnen, ist die Fernlichtaktivierung gut mit dem Daumen erreichbar. Fehlt eigentlich nur noch die aus dem Rennsport bekannte Highbeam-Automatik, um das Fernlicht mehrmals hintereinander automatisch aufblenden zu lassen. 488 GTB, was bist du nur für ein herrlicher Männerspielplatz!

Rennwagenromatik für die Straße

Und der Startknopf darf – für die Rennwagenromantik im Straßenverkehr – natürlich auch nicht am Lenkrad fehlen. Per Daumendruck wird der V8 unter dem schönsten Schaufenster im gesamten Sportwagenbau gestartet. Während mancher Hersteller die Sicht auf sein Aggregat mit Lüftern und Plastikverkleidungen versperrt, macht Ferrari aus Erwachsenen wieder kleine Jungs, die sich die Nase am durchsichtigen Heckdeckel platt drücken.

Fantastisch, denn der Blick fällt auf roten Schrumpflack und viel Sichtcarbon im Motorraum. Übrigens: Der 488-Testwagen trägt insgesamt optionale Carbonteile im Wert von 50.694 Euro. Das entspricht fast dem Gegenwert einer Basisversion des Porsche 718 Cayman (ab 51.623 Euro).

Jetzt wollen wir uns aber nicht weiter von emotionalen Details wie der durchsichtigen Motorhaube, dem bildhübschen Karosseriekleid oder der Nebelschlussleuchte im Formel-1-Rennwagen-Look zu sehr blenden lassen. Im Supertest zählt ja ausschließlich die Performance.

Auf geht’s! Nicht nur der Rot-Ton der Lackierung „Rosso Corsa Metallizzato“ ist neu, insgesamt soll der Ferrari 488 GTB 85 Prozent an Neuteilen gegenüber dem 458 Italia tragen. Zentrum der Neuentwicklung ist der Mittelmotor. Der bisher bekannte V8-Saugmotor mit dem internen Kürzel F136 FB ging in Rente und wurde durch den V8-Biturbo aus der Motorenfamilie F154 ersetzt, der seit 2013 in abgewandelter Form unter anderem im Maserati Quattroporte GTS und Ferrari California T arbeitet.

Toller Sound trotz Turbo

Gewittergrollend und mit deutlich bassigerer Stimme legt der Ferrari 488 GTB im Supertest los. Die berstenden Drehzahlspitzen des kreischenden Saugmotor-Vorgängers 458 Italia bleiben zwar unter emotionalen Gesichtspunkten unerreicht, doch für ein aufgeladenes Aggregat klingt der Mittelmotor verdammt gut. Auch wenn meine V8-Lieblingslieder im Hause Ferrari weiterhin von 430 Scuderia und 458 Speciale gespielt werden, muss man sich den 488-Sound nicht zwanghaft schönreden. Bei manch anderem Sportwagenhersteller sind da definitiv mehr Emotionen beim Wechsel vom Saugmotor zu Turbokonzept auf der Strecke geblieben.

Kurzer Blick in die Ferrari-Historie: Richtig, die F154-Aggregate sind die ersten Ferrari-Turbomotoren seit dem V8-Biturbo der Legende Ferrari F40 im Jahr 1987. Im Vergleich zum 458 Italia schrumpfte der Hubraum des 488 GTB von 4.499 auf nun 3.902 Kubikzentimeter. Dank zwei IHI-Turboladern mit Twin-Scroll-Technik wird die Ansaugluft jedoch jetzt mit bis zu 1,3 bar Überdruck in die acht Brennräume gepresst. Der 488 überflügelt seinen Vorgänger um satte 100 PS Nennleistung. 670 PS gibt Ferrari offiziell an. Auf dem Leistungsprüfstand zeigt sich unser Testwagen motiviert und mobilisiert sogar glatte 700 PS, was aber noch im Toleranzbereich liegt.

Das rote Projektil: 8,7 s auf 200

Launch-Knopf auf der Mittelkonsole drücken, Startautomatik aktivieren und dann das knallrote Projektil abfeuern – mit bärenstarker Traktion unterbietet der Hecktriebler in 3,1 respektive 8,7 Sekunden die Beschleunigungswerte seines Vorgängers von null auf 100 und 200 km/h spielerisch (Ferrari 458 Italia: 0–100 km/h: 3,5 s; 0–200 km/h: 10,6 s).

Nicht nur die Beschleunigungswerte, sondern auch die Fahrbarkeit des V8-Biturbo begeistern. Turboloch? Auch das Ferrari-Aggregat zählt zu der neuen Turbomotorengeneration, die das Ansprechverhalten, die Drehfreude und die lineare Leistungsentfaltung eines Saugmotors erstaunlich gut imitieren können.

Drehmoment von 760 Nm im Ferrari 488 GTB

Die Nennleistung liegt jetzt bei 8.000/min an, also 1.000 Touren früher als beim V8-Sauger des 458 Italia. Ein Turboloch können auch Saugmotorfanatiker diesem V8-Biturbo nicht nachsagen. Das maximale Drehmoment wuchs um beachtliche 220 auf 760 Nm. Gegenüber dem V8-Sauger liegt es nun schon ab 3.000 statt wie bisher ab 6.000 Touren an.

Weitere Bilder vom Ferrari 488 GTB

Video vom Ferrari 488 GTB

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